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Ahnenfaden
Graz um 1850, Lithographie nach Jakob Alt
Ein Beispiel von Ahnenfaden · Graz 1785 bis 1855

Die Sattinger in Graz

Vier Generationen unter dem Kalvarienberg, im Bräuhaus „Zum wilden Mann“ und am Bischofplatz: die Familie des Gründers von Ahnenfaden, erzählt aus den Büchern, in denen sie steht.
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Aus den Matriken von fünf Grazer Pfarren und aus der Grazer Zeitung · Bild: Graz um 1850, Lithographie nach Jakob Alt
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Wen wir suchen

Eine Linie, vier Generationen in Graz

Wir folgen der väterlichen Linie von Valentin Sattinger, dem Gründer von Ahnenfaden, zurück nach Graz. Sie beginnt bei Johannes Sattinger, dem ältesten Vorfahren, den die Bücher zeigen, und endet 1855 mit der Geburt von Josef, Valentins Ururgroßvater.

Davor
Herkunft offen
Wer die Eltern von Johannes waren, sagt kein Eintrag. Der Familienstammbaum nennt Anna Sattinger, Lederschneiderin in Graz, als Mutter°.
Teil I · 1785 – 1802
Johannes Sattinger
um 1761 – 1802
Drechsler, zuletzt Arbeiter, unter dem Kalvarienberg
∞ Johanna Kränzer
Kinder: Andreas, Magdalena (1785)
Teil II · 1822 – 1833
Andreas Sattinger
1782/83 – 1833
bürgerlicher Gastwirt und Bräumeister „Zum wilden Mann“, Schmidgasse 355
mit Juliana Späth
Sohn: Josef Andreas (1824)
Teil III · 1847 – 1855
Josef Andreas Späth-Sattinger
1824 – 1892
Jurist, k.k. Polizeikommissär, später in Pest
∞ 1847 Pauline Poßener
Kinder: Ernst Josef (1848), Konrad (1851), Alfred (1852), Josef (1855), Pauline (1856)
Ende dieses Beispiels
Josef Sattinger
geboren 1. Jänner 1855
am Bischofplatz 161, getauft im Grazer Dom
später Esztergom und Arad
Heute
Valentin Sattinger
Gründer von Ahnenfaden, drei Generationen später, über Ungarn und das Banat

in einem Eintrag belegt erschlossen°  ·  Die Belege zu jeder Generation folgen in den drei Teilen.

TEIL I

Unter dem Kalvarienberg

Johannes Sattinger, Drechsler, und Johanna Kränzer in der Grazer Vorstadt: eine Taufe 1785 und ein Sterbeeintrag 1802. Wer seine Eltern waren, sagt kein Eintrag.
1785 – 1802 · GRAZ
Graz Mariahilf, Taufbuch II, S. 67 · Juli 1785

„Joannes Sattinger, Drechßler · Johanna gebor: Kränzerin“

Taufbuch Mariahilf 1785: Magdalena, Joannes Sattinger Drechßler, Johanna gebor. Kränzerin

Am 17. Juli 1785, fünf Uhr früh, wird in Haus 1054 „sub Camera“ Magdalena geboren, ehelich, Tochter des Joannes Sattinger, Drechsler, und der Johanna geborene Kränzerin. Patin ist Elisabetha Iberin, Landwirtin, die mit einem Kreuz unterschreibt.

Das ist der einzige Taufeintrag dieses Ehepaars in Graz. Ihr Sohn Andreas, nach seinen eigenen Angaben 1782 oder 1783 in Graz geboren, steht in keinem Grazer Taufbuch dieser Jahre. Auch die Trauung von Johannes und Johanna steht in keiner Grazer Pfarre.

Wo Johanna Kränzer herkam und wo das Paar geheiratet hat, ist nicht bekannt.

Für die Linie

Johannes Sattinger, Drechsler, und Johanna Kränzer sind 1785 ein Ehepaar in Graz. Es ist der einzige Eintrag, der beide nennt.

Graz Kalvarienberg, Sterbebuch I, S. 90 · 1802 und 1803

Haus 2 und Haus 94

Am 25. Dezember 1802 stirbt in Haus 2 Johannes Sattinger, 41 Jahre, an Auszehrung. Die Berufszeile liest sich als „gwesen ein Arbeiter“. Seine Tochter Magdalena war siebzehn, sein Sohn Andreas zwanzig.

Drei Monate später, am 26. März 1803, stirbt in Haus 94 Anna Sattingerin, Lederschneiderin, 70 Jahre, an Brand. Sie war um 1733 geboren.

Ob Anna die Mutter des Johannes war, sagt kein Eintrag. Der Familienstammbaum führt ihn als ihren Sohn, ohne Vater°. Das Alter passt.

Für die Linie

Johannes stirbt 1802 mit 41 Jahren, ist also um 1761 geboren. Seine Eltern nennt kein Eintrag: Hier endet, was die Bücher sicher sagen.

Sterbebuch Kalvarienberg 1802: Johannes Satinger, Haus 2, 41 Jahre, Auszehrung
„Den 25ten Xbris · 2 · Johannes Sating[er], gwe[sen] ein arbeith[er] · 41 · An Auszehrung“
Sterbebuch Kalvarienberg 1803: Anna Sattingerin, Lederschneiderin, Haus 94, 70 Jahre, Brand
„Den 26. März · 94 · Anna Sattingerin, Lederschneiderin · 70 · An Brand“
TEIL II

Zum wilden Mann

Andreas Sattinger, Bräumeister und Wirt „Zum wilden Mann“. Seine Mutter stirbt in seinem Haus, er erklärt sich als Vater eines unehelichen Sohnes, und er stirbt 1833.
1822 – 1833 · GRAZ, SCHMIDGASSE 355
Grazer Zeitung, 11. Juli 1822 und 10. November 1828

Bräumeister und Gastgeber

Im Juli 1822 sammelt die bürgerliche Bierbrauer-Innung für die Brandopfer von Gnas. Die Liste nennt zwölf Grazer Bräumeister, „Sattinger 20 fl.“ an erster Stelle.

Im November 1828 sucht er einen Hund: „Verlorner Hund. Solcher ist ein Windhund größter Gattung, hat schwarze Decke, an den Füßen, Brust und über den Hals ist er weiß, hat geschnittene Ohren und abgeschlagene Rute. Für Überbringung oder Anzeige … bezahlet Herr Sattinger, Gastgeber zum wilden Mann in der Schmidgasse, 3 Ducaten.“

Der Name des Gasthauses steht damit in einer Zeitung, nicht nur in der Erinnerung.

Für die Linie

Andreas Sattinger ist bürgerlicher Bräumeister und Wirt „Zum wilden Mann“ in der Schmidgasse. Das steht in der Zeitung, nicht nur in der Familienerinnerung.

Grazer Zeitung 1822: Spendenliste der bürgerlichen Bierbrauer-Innung, Sattinger 20 fl.
Grazer Zeitung, 11. Juli 1822 · „Von den bürgerl. Bräumeistern Sattinger 20 fl., Tieffenbacher 20 fl., Beer 20 fl. …“
Grazer Zeitung 1828: Verlorner Hund, Herr Sattinger, Gastgeber zum wilden Mann in der Schmidgasse
Grazer Zeitung, 10. November 1828 · „Verlorner Hund“
Grazer Zeitung, 20. Jänner 1827 · Graz Mariä Himmelfahrt, Sterbebuch 3, S. 91

„Frau Johanna Sattinger, Witwe“

„Den 18. Jänner. Frau Johanna Sattinger, Witwe, alt 64 J., in der Schmidgasse Nr. 355; an der Bauchwassersucht.“ Das Sterbebuch der Pfarre sagt dasselbe: „Frau Johanna Sattingerin Wittwe“, Schmidgasse 355, 64 Jahre, begraben am 20. Jänner, eingesegnet von Pfarrer Anton Ortner.

Sie stirbt im Haus des Bräumeisters, mit 64 Jahren, also um 1762 geboren: das Alter einer Mutter, nicht einer Frau. Andreas war 1821 ledig. Kein Eintrag nennt die beiden zusammen, das Haus und das Alter tun es°.

Für die Linie

Johanna stirbt 1827 im Haus des Andreas, im Alter einer Mutter. Dass Andreas ihr Sohn und damit der Sohn des Johannes ist, ist erschlossen°: Kein Eintrag nennt die beiden zusammen.

Grazer Zeitung 1827: Frau Johanna Sattinger, Witwe, alt 64 J., Schmidgasse 355
Grazer Zeitung, 20. Jänner 1827, Verstorbene in Grätz
Sterbebuch Mariä Himmelfahrt 1827, Nr. 3: Frau Johanna Sattingerin Wittwe, Schmidgasse 355
Sterbebuch Mariä Himmelfahrt, 1827, Nr. 3 · „Frau Johanna Sat=tingerin Wittwe · Schmid=gasse · 355“
Graz Hl. Blut, Taufbuch XXVII, S. 3 · 12. Februar 1824 und 3. August 1832

„des Andreas Sattinger … als Vater“

Taufbuch Hl. Blut 1824: Josephus Andreas, unehelich, Mutter Juliana Späth, Haus 231, mit nachgetragener Vaterschaftsnotiz

Am 12. Februar 1824, halb sechs Uhr früh, wird im 2. Sack, Haus 231, Josephus Andreas geboren und eine Stunde später getauft: unehelich, Mutter Juliana Späth. Die Vaterspalte bleibt leer.

Acht Jahre später schreibt eine andere Hand sechs Zeilen hinein, mit dicken Strichen eingerahmt: „des Andreas Sattinger … als Vater … Grätz am 3. Aug. 832.“ Der Taufindex führt den Buben weiter als Späth Josef.

Die nachgetragene Vaterschaftsnotiz in der Vaterspalte, Grätz am 3. August 1832
Für die Linie

Andreas erklärt sich 1832 als Vater von Josef Andreas. Das ist der erste Beleg für den Schritt von Andreas zu Josef Andreas.

Grazer Zeitung, 15. Dezember 1832 und 17. Jänner 1833 · Mariä Himmelfahrt, Sterbebuch 3, S. 174

Dezember 1832, Jänner 1833

Am 20. Dezember 1832 lässt „Herr Andreas Sattinger“ auf eigenes Ansuchen sein „Lager von guten Weinen im Hause Nr. 195 in der Schönaugasse“ versteigern, durch die Deutschordens-Commende am Leech.

Am 15. Jänner 1833 stirbt er in der Schmidgasse 355: „Herrn Andreas Sattinger, bürgl. Gastwirth · 50 Jahre · Schleichendes Fieber · Mit Allem.“ Begraben am 17. um halb vier nachmittags nach St. Peter, eingesegnet von Pfarrer Alexander Ortner. Die Zeitung meldet es zwei Tage später unter den Verstorbenen in Grätz.

Das Konvokationsedikt des Magistrats vom 18. Jänner sagt, wer den Nachlass abhandelt: „unter hierortiger Gerichtsbarkeit gestorben“.

Für die Linie

Andreas stirbt am 15. Jänner 1833 mit 50 Jahren. Das Alter bestätigt unabhängig die Geburt 1782 oder 1783.

Sterbebuch Mariä Himmelfahrt 1833, Nr. 4: Herrn Andreas Sattinger, bürgl. Gastwirth, Schmidgasse 355
Sterbebuch Mariä Himmelfahrt, 1833, Nr. 4 · „Herrn Andreas Sattinger, bürgl. Gastwirth · Schmid=gasse · 355“
Grazer Zeitung 1833: Convocation nach Herrn Andreas Sattinger
Grazer Zeitung, 28. Jänner 1833 · „Convocation nach Herrn Andreas Sattinger“
TEIL III

Der Polizeikommissär

Der uneheliche Sohn wird Jurist, heiratet 1847 und lässt am Bischofplatz seine Kinder taufen, 1855 auch Josef. Dann geht die Familie nach Pest.
1847 – 1855 · GRAZ
Graz-Dom, Trauungsbuch V, S. 612, Nr. 101 · 28. Juli 1847

„Sohn des Andreas Sattinger, bürgl: Bräumeisters … beyde schon verstorben“

Trauungsbuch Graz-Dom 1847, Nr. 101: Josef Andreas Spät und Pauline Poßener

Herr Josef Andreas Spät, 23, „Sohn des Andreas Sattinger, bürgl: Bräumeisters im 2ten Sack H. N 231, und der Juliana Spät, beyde schon verstorben“, „absolvirter Jurist und Realitätenbesitzer in Aussee“, wohnhaft Stempfergasse, heiratet Fräulein Pauline Poßener, 22, Tochter des k.k. Kreis-Ingenieurs Johann Paul Poßener und der verstorbenen Catharina geborene Pichler. Beistand: Dr. Johann Scaria, Arzt.

Der Bräutigam ist minderjährig; der Magistrat Graz stellt ihm eine Großjährigkeitserklärung aus, und der Brautvater unterschreibt: „Vater der minderjährigen Braut.“ Ein späterer Bleistift setzt sein Geburtsdatum dazu: 12/2 1824. Es ist das Datum der Taufe von 1824, und die Adresse ist dieselbe wie dort: Haus 231.

Für die Linie

Der Bräutigam nennt Andreas Sattinger als seinen Vater, mit derselben Adresse wie die Taufe von 1824. Damit ist der Schritt von Andreas zu Josef Andreas zweimal unabhängig belegt.

Graz-Dom, Taufbuch V, S. 1326 · 1. Jänner 1855

„Josefus“

Taufbuch Graz-Dom 1855: Josefus, Bischofplatz 161, Vater Josef Sattinger, k.k. Concepts Adjunct bei der k.k. Polizei-Direction in Pest, Mutter Pauline geb. Poßener

Der erste Eintrag des Jahres 1855: geboren „Am 1ten = ersten Jänner 855 um 6 Uhr früh“, getauft am 2. Jänner um halb drei nachmittags, Bischofplatz 161, ehelich, katholisch. Vater Josef Sattinger, „k:k: Concepts Adjunct bei der k:k: Polizei-Direction in Pest“, Mutter Pauline geb: Poßener. Patin Caroline Küstern, Privat; Täufer Domvikar Franz Casparuß; Hebamme Anna Gulla.

Das ist Valentins Ururgroßvater. Der Bub wird in Esztergom zur Schule gehen und in Arad Kinder haben.

Die Vaterspalte des Taufeintrags von 1856: k.k. Concepts Adjunct bei der k.k. Polizei-Direction in Pest
Für die Linie

Josef ist der Sohn von Josef Andreas und Pauline Poßener. Mit ihm endet dieses Beispiel; die Linie geht in Ungarn weiter.

Wie es weitergeht

Von Graz nach Pest, Esztergom und Arad

Nach 1856 steht die Familie in keinem Grazer Buch mehr. Josef Andreas dient in Pest, sein Sohn Josef geht in Esztergom zur Schule und gründet in Arad eine Familie. Dieser Teil der Geschichte steht in ungarischen und rumänischen Quellen und gehört nicht mehr zu diesem Beispiel.

So arbeitet Ahnenfaden: Jede Angabe führt zu dem Eintrag, auf dem sie beruht. Was nicht belegt ist, steht als offen da. In diesem Beispiel sind es 18 Originaleinträge, jeder mit Abschrift und Fundstelle.

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